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4. Emser Strasse

In „der Emser“ existiert alles nebeneinander: vier Bordelle, Wettbüros, Spätshops, Gerümpel- und Gemüsehändler, Männercafés, Kindergärten, Taxizentralen, Schnäppchenmärkte, Drogerien. 124 kleine Läden und Gewerbe gehören zum Straßenbild, in der südlichen Hälfte entstehen im Moment sogar die ersten studentischen Galerien und Ateliers. Das klingt gemütlich – aber unsere Straße gehört längst den Hundehaufen, Drogengangs und Sperrmüllplätzen, manchmal weigert sich die Stadt-reinigung hier zu arbeiten. Die Mieten sind billig, die Arbeitslosigkeit sehr hoch, nachts gibt es Schießereien und Überfälle.

Ich wohne hier seit nun vier Jahren und mir ging es beim Fotografieren nicht um eine Bestandsaufnahme der Läden, sondern um die ebenfalls hier lebenden Menschen. Man huscht von der U-Bahn nach Hause und dann noch mal schnell zum Supermarkt, niemand ist länger draußen als nötig. Trotzdem erkennt man sich aus dem Augenwinkel, grüßt vielleicht, nickt sich zu. Um diese kleinen Momente ging es mir, ich wollte das Typische einfangen, das unsere Straße von jenen in allen anderen Stadtteilen Berlins unterscheidet.